Max Horkheimer und Theodor W. Adorno veröffentlichten 1947 ihre “Dialektik der Aufklärung”, eine Theorie der modernen Massenkultur. Folgendes las ich im Kapitel zur “Kulturindustrie”:
Der Schritt von Telephon zum Radio hat die Rollen klar geschieden. Lieber ließ jenes den Teilnehmer noch die des Subjekts spielen. Demokratisch macht dieses alle gleichermaßen zu Hörern, um sie autoritär den unter sich gleichen Programmen der Stationen auszuliefern. Keine Apparatur der Replik hat sich entfaltet, und die privaten Sendungen werden zur Unfreiheit verhalten. Sie beschränken sich auf den apokryphen Bereich der “Amateure”, die man zudem noch von oben her organisiert. Jede Spur von Spontaneität des Publikums im Rahmen des offiziellen Rundfunks aber wird von Talentjägern, Wettbewerben vorm Mikrophon, protegierten Veranstaltungen aller Art in fachmännischer Auswahl gesteuert und absorbiert. Die Talente gehören dem Betrieb, längst ehe er sie präsentiert: sonst würden sie nicht so eifrig sich einfügen. Die Verfassung des Publikums, die vorgeblich und tatsächlich das System der Kulturindustrie begünstigt, ist ein Teil des Systems, nicht dessen Entschuldigung.
Heute haben wir Bild und Ton statt nur dem Ton; Kameraführung und Schnitt leiten unsere Emotionen. Noch mehr, das sich geändert hat? Oder nicht?