Autofiktion
Ich, in meiner geliehenen Zwei-Zimmer-Wohnung, bin niemand. Ich existiere kaum, ich bin ein fiktives Wesen. Ich schreibe meine Autofiktion. Ich lasse den Eiffelturm hinter mir, mein Blick geht hinab zum Nabel, ich bleibe an mir selbst hängen. Dort versuche ich vorsichtig, meine Quintessenz zu fassen. Seit ich mein Leben in Sätze umwandle, finde ich mich interessant. In dem Maße, wie ich zur Figur werde, kann ich mich für mich begeistern. Wie für Lucien de Rubempré, Julien Sorel, so es mir gelingt, mich aufregend zu machen. Mein verfehltes Leben wird ein literarischer Erfolg werden.
(aus: “Un amour de soi”, Serge Doubrovsky, zitiert nach Kultur + Gespenster #7: Autofiktion)