(via core77.com)
Sind sie nicht schwul, haben sie sich gerade von der wunderbarsten Frau getrennt, die es gibt. Oder sie haben sich von einer Gewitterhexe getrennt, die genau so aussah wie ich. Oder sie sind gerade aus einer Beziehung raus, befinden sich in einer Übergangsphase und brauchen mehr Freiheit. Oder sie sind frei und denken nicht daran, sich zu binden. Oder sie wollen sich binden, aber es muss nicht gleich intim sein. Und die, die gleich aufs Ganze gehen, auf die kann ich getrost verzichten.
— aus “Der große Frust” (1983), via Dummy #11 - Thema Frauen
(Oder alles wäre wunderbar, würden unsere Werte nicht kollidieren.)
Love is all around. It is supposed to be the absoluteness of our lives. But the inflationary use of the word implies a strength that it doesn’t have. Just like money might become worthless, constant use of this immense yet fragile word, lowers its value. In the bitter end, it turns to kitsch.
Sie steht auf dem Treppenabsatz vor ihrer Haustür und blickt ihn so schüchtern an, wie nur verliebte Mädchen jemanden schüchtern anblicken können. Er fischt indessen einen Terminkalender und einen Kugelschreiber aus seiner Tasche. Vermutlich haben sie sich gerad erst kennengelernt, vermutlich werden sie sich verabreden oder sie wird ihn zumindest ihre Telefonnummer aufschreiben lassen.
Und während ich an beiden vorbeilaufe, klingt es aus meinen Kopfhörern: some sweet day you will be mine, you’ll be mine …
1
Als sie ertrunken war und hinunter schwamm
Von den Bächen in die größeren Flüsse
Schien der Opal des Himmels sehr wundersam
Als ob er die Leiche begütigen müsse.
2
Tang und Algen hielten sich an ihr ein
So dass sie langsam viel schwerer ward.
Kühl die Fische schwammen an ihrem Bein
Pflanzen und Tiere beschwerten noch ihre letzte Fahrt.
3
Und der Himmel ward abends dunkel wie Rauch
Und hielt nachts mit den Sternen das Licht in Schwebe.
Aber früh ward er hell, dass es auch
Noch für sie Morgen und Abend gebe.
4
Als ihr bleicher Leib im Wasser verfaulet war
Geschah es (sehr langsam), dass Gott sie allmählich vergaß.
Erst ihr Gesicht, dann die Hände und ganz zuletzt erst ihr Haar.
Dann ward sie Aas in Flüssen mit vielem Aas.
— Bertolt Brecht (1919)